DEUTSCHES TAGEBUCHARCHIV

Fragen an das DTA

Die sechs am häufigsten gestellten Besucherfragen:

1.) Welches ist das älteste und welches ist das jüngste Tagebuch im DTA - Bestand?

Das älteste Tagebuch des DTA-Bestandes:
Einen württembergischen Schreibkalender des Jahres 1760 nutzte Gottlieb Christoph Bohnenberger (1732-1807) für seine Buchhaltung und für kurze Notizen. Der Pfarrer aus Neuenbürg nahm als Feldprediger am Siebenjährigen Krieg teil und marschierte mit seinem Regiment nach Thüringen und Sachsen. (DTA-Signatur 1576)

Neu: Blättern Sie hier in diesem Buch. Einen Auszug aus der Transkription finden Sie hier.

Die jüngsten Tagebücher stammen aus dem Jahr 2010.
Es gibt sogar einzelne Tagebuch-SchreiberInnen, die jeweils den jüngsten Tagebuchband eines Jahres zu Beginn des darauf folgenden (quasi als Fortsetzung) dem DTA zur Verfügung stellen.


2.) Aus welchen Gründen werden persönliche Lebenszeugnisse im DTA abgegeben?

Es sind ganz unterschiedliche Gründe, die die Einsender zur Abgabe ihrer Dokumente beim DTA bewegen, was sich auch in der Vielfalt der Dokumente widerspiegelt. Hier eine kleine Auswahl:

"Das Dokument sollte für gesellschaftspolitische Arbeiten zugänglich sein!" - "Es handelt sich um wichtige Informationen über unsere Heimat, die es so nicht mehr gibt" - "Der Irakkrieg: Die Leser sollen erkennen, wie wichtig es ist, Kriege zu verhindern!" - "Garantie für fachgerechte Aufbewahrung." - "Um die Autorin nicht in Vergessenheit geraten zu lassen." - "Die eindrucksvolle Führung im DTA hat mich dazu bewogen." - "Das Tagebuch ist ein hochinteressantes Zeitdokument, das als Grundlage für einen Geschichtsunterricht genutzt werden könnte."


3.) Warum schreiben die Verfasser Tagebuch / Lebenserinnerungen?

In einigen Tagebüchern und Lebenserinnerungen stellen die Autoren die Antwort auf diese Frage an den Anfang ihrer Eintragungen. Hier fünf Beispiele:

Ein junges Mädchen schrieb am 2. Juli 1870 in ihr Tagebuch (Sig.-Nr. 993):
"Ich will versuchen, so genau wie ich kann alles das aufzuschreiben, was ich bisher erlebt, gedacht und empfunden habe. Vielleicht hat dieses kleine Tagebuch noch den Zweck, dass ich mir über alles so recht klar werde."

Eugen H. schreibt 1993 in seinen Lebenserinnerungen (Sig.-Nr. 26,2 ):
"
Seit jenen Erlebnissen sind nun bald 50 Jahre verflossen. Ich bin jetzt 82 Jahre alt, möchte aber diese Welt nicht verlassen, ohne meine damaligen Erfahrungen niedergeschrieben zu haben. Ich weiß, dass man immer wieder sagt: Kriegserlebnisse wollen wir nicht hören! Unseren Kindern und Enkeln würde jedoch viel verloren gehen, wenn wir ihnen nicht schriftlich hinterlassen würden, was wir in jener dunklen Zeit mit Gott erlebt haben."

Dietmar R. (Sig.-Nr. 999) formuliert seine Gedanken über das Tagebuchschreiben:
29.5.1987 Ein Tagebuch, was ist das eigentlich? Ganz sicher muß es nicht unbedingt Bedeutendes enthalten. Sein Inhalt darf durchaus ein Sammelsurium von Gedanken und Erlebtem sein. Damit ist es auch ein geistiger Abfallhaufen seines Schreibers. Vor allem aber sollte das Schreiben eines Tagebuches sehr persönlich und ehrlich betrieben werden. Wenn wir einen Brief formulieren, korrespondieren wir mit Verwandten, Freunden, Bekannten oder Geschäftspartnern. Wenn wir dagegen ein Tagebuch führen, korrespondieren wir mit uns selbst. Es gleicht einer großen Pappschachtel, in die man seine persönlichste Habe zur Aufbewahrung legt.
22.3.1986 So ein Tagebuch ist eine eigenartige Sache. Einerseits ist das Festhalten dessen, was ist, ein Akt der Befreiung, der Schreiber verschafft sich Luft und klärt seine Gedanken. Andererseits hat man sich als Chronist unter Umständen eine drückende Bürde auf die Schulter geladen, nämlich dann, wenn man sein Vorhaben allzu ernst nimmt.

Annette B. notiert als 15-Jährige in ihr Tagebuch (Sig.-Nr. 448):
"Ich begann heute, am 17. Juni 1951, dieses Tagebuch, weil ich jemand brauche, dem ich auch mein Innerstes zeigen kann."

Auf dem Gefängnisboden in Lauenburg beginnt Karin G. am 26. März 1945 zu schreiben (Sig.-Nr. 784,1):
"Heute habe ich beschlossen Tagebuch zu führen, obwohl ich es niemals vorher in meinem Leben getan habe. Aber dies ganze Unglück, das jetzt über uns gekommen ist, will ich doch versuchen in kurzen Worten festzuhalten. Noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, dass ich noch einmal gerettet werden und meine Lieben wiedersehe. Und Einzelheiten vergisst man so schnell. Darum will ich alles aufschreiben."


4.) Welche Schwerpunkte weist der Sammelbestand des DTA auf?

Von den über 2.000 Einsendungen (insgesamt rund 8.500 Tagebücher, Erinnerungen und Briefwechsel von etwa 2.500 Autoren) wurden bisher etwa 75 % in die Allegro-Datenbank aufgenommen.

Das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Verfassern der autobiografischen Dokumente, die dem Deutschen Tagebucharchiv bislang übergeben wurden, beträgt etwa 60 : 40.

Die Erlebnisse während und nach den beiden Weltkriegen bilden einen inhaltlichen Schwerpunkt vieler Dokumente. Auch die Themen Kindheit und Jugend, Beruf, Reisen und Liebe kommen sehr häufig vor. Neuerdings treffen auch immer wieder Lebenszeugnisse aus der ehemaligen DDR im DTA ein.


5.) Wer recherchiert im DTA und wie kann man im DTA recherchieren?

Zu den Nutzern des Archivs zählen vor allem Studenten bzw. Wissenschaftler und Journalisten. Eher seltener wird der DTA-Bestand von Schülern und Privatpersonen für Recherchen genutzt. (Schulklassen bilden hingegen die häufigsten Besuchergruppen)

Mit Hilfe der Datenbank kann der DTA-Bestand relativ einfach nach Stichwörtern und Daten durchsucht werden. Um festzustellen, ob das DTA für ein bestimmtes Thema über passende Quellen verfügt, können auswärtige Nutzer einen Auftrag für eine kostenpflichtige "Vorabrecherche" erteilen.
Hier und hier finden Sie zwei exemplarische Datenbankausdrucke.

Wer im Archiv recherchieren möchte, kann Nutzungszeiten vereinbaren, die über die allgemeinen Öffnungszeiten für Besucher weit hinausgehen.


6. ) Dürfen Spontan-Besucher in den Tagebüchern des DTA lesen?

Das DTA will die Originalen Zeitzeugnisse möglichst schonend aufbewahren. Über das Archivieren in säurefreien Kartons hinaus fertigen DTA-Mitarbeiter Kopien der Tagebücher an, die gebunden in einer Präsenzbibliothek für Recherchen zur Verfügung stehen. Genau dies ist auch Inhalt der Nutzungs-Verträge, die das DTA mit den Autoren bzw. Einsendern abschließt.
Private Themen-Recherchen sind hingegen möglich. Dazu müssen die privaten Nutzer ebenso wie die Wissenschaftler ihr Suchthema und ihre Anschrift angeben. Außerdem müssen sie versichern, dass sie die Inhalte der Tagebücher grundsätzlich anonym behandeln.
Als Lese-Möglichkeit stehen im DTA schon heute viele Textbroschüren zur Verfügung, in denen Auszüge aus Tagebüchern von den Autoren bzw. Einsendern selbst frei gegeben wurde.
Künftig ist die Gestaltung eines Tagebuch-Museums hier im alten Emmendinger Rathaus geplant, in dem das Lesen in ausgewählten Tagebüchern für alle Spontan-Besucher ermöglicht wird. Als Exponate sind mehrere Vitrinen mit original Tagebüchern, große Schautafeln, eine Hörstation und ein Schubladenschrank vorgesehen. Die Eröffnung des Museums soll im Herbst 2010 stattfinden.

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